Locarno 07: «Früher oder später» von U. von Ribbeck

Lola Klamroth in «Früher oder später»

[Erschienen am 5. August 2007, 16.42] Immer wieder die Familie. Ganz zentral ist die Familie in «Früher oder später», dem deutschen Beitrag im Internationalen Wettbewerb. Dreh- und Angelpunkt ist die 14-jährige Nora (Lola Klamroth), die mit ihren Eltern (der Vater wird von Lolas Vater Peter Lohmeyer gespielt) in einem hübschen Häuschen in einem beschaulichen Berliner Vorort wohnt. sie verbringt ihre Zeit mit romantischen Tagträumen, in denen sie Zuflucht findet, während ihre Eltern miteinander streiten.

Da zieht Thomas (Harald Schrott) mit seiner Familie, ein alter Bekannter der Eltern, im Haus nebenan ein. Thomas lebt mehr schlecht als recht von der Schauspielerei, versprüht auf Nora aber einen unwiderstehlichen Charme. Die Teenagerin verliebt sich in den 40-Jährigen. Das führt bald einmal zu Spannungen innerhalb der Familie.

Lola Klamroth und Harald Schrott in «Früher oder später»

Das zwischendurch unbeschwerte Familiendrama von Ulrike von Ribbeck erinnert von der verspielten Form her und den delikaten Kameraaufnahmen an die Filme von Sofia Coppola, und die verführerische Teenagerin führt unweigerlich zu Vergleichen mit «Lolita». Ganz so schmetterlingsleicht wie die Kamera und die Hauptfigur kommt die Handlung aber nicht voran, sondern harzt gelegentlich. Vor allem weil sich die Filmemacher nicht zwischen bissig sarkastischen und verträumten Tonfall entscheiden können.

Den schwerelosen Betrachtungen von belanglosen Gesprächen kommen bisweilen auch die etwas gar plumben Dialoge dazwischen, die von den Schauspielern mehr brav gelernt als verinnerlicht aufgesagt werden. «Nora, träumst du schon?» wird Nora an einer Stelle gefragt. Die gleiche Frage hätte während den Dreharbeiten manchmal auch an die Regisseurin gerichtet werden müssen.

Fazit: «Früher oder später» ist ein federleichtes Familiendrama, sowohl im positiven wie auch im negativen Sinn.

Bewertung: 4 Sterne

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