Die Bedeutung eines Filmfestivals lässt sich daran messen, wie viele Filme als Weltpremieren vorgeführt werden. Locarno zeigt als A-Festival im Wettbewerb lediglich Erstaufführungen, muss dafür aber Abstriche bei der Qualität machen, weil die besten Festival-Weltpremieren in Cannes, Venedig und Berlin gezeigt werden. Das immer noch junge Zurich Film Festival ist schon stolz, wenn es Schweizer Filme als Weltpremieren präsentieren darf.
Die Presseabteilung des Zurich Film Festival hat heute gemeldet, dass an der 5. Ausgabe zwei Schweizer Filme ihre Weltpremiere feiern. Keine wirklich grosse Leistung, aber die Beschreibungen der Filme hört sich durchaus ansprechend an. Im Deutschsprachigen Spielfilmwettbewerb wird die Urauffühung von «Der Fürsorger» von Lutz Konermann gezeigt. Die Tragikomödie erzählt die Geschichte «eines talentierten Gefall-süchtigen, der um jeden Preis mehr sein will, als er ist und dabei immer ein bisschen bleibt, was er war: Ein grosses Kind auf der Suche nach Liebe und Anerkennung», fasst Regisseur Konermann zusammen.
Der Film beruhe auf wahren Begebenheiten: Hans-Peter Streit (im Film Hans-Peter Stalder, gespielt von Roeland Wiesnekker) trieb in den 70er- und 80er-Jahren im Berner Oberland sein Unwesen und wanderte wegen Millionenbetrugs für mehrere Jahre ins Gefängnis. Konermann sei bestrebt, die Geschichte dieser realen Figur so wahrhaftig wie möglich zu erzählen, lasse komische Elemente dabei aber nicht zu kurz kommen.
So handle es sich bei «Der Fürsorger» gleichzeitig auch um eine Realsatire. Konermann beschreibt dies folgendermassen: «Verrückt, aber wahr. Eine Posse aus der Schweizer Provinz über die Blindheit der Menschen im Angesicht des grossen Geldes, über Obrigkeitsgläubigkeit und den Zorn der Kleinen auf die Grossen.» Der Regisseur setzt auf verschachtelte Zeitebenen und Wiederholungen, die dem Zuschauer nach und nach das Leben und den widersprüchlichen Charakter des Hauptdarstellers näherbringen. Der Fürsorger wird zum ersten Mal am 30. September 2009 um 21 Uhr im Kino Corso 1 gezeigt.
Im Internationalen Dokumentarfilmwettbewerb zeigt Anita Blumer «Buenos días, seguimos en guerra». Ein Jahr lang lebte Blumer in Guatemala – einem Land, in dem zehn Jahre nach Ende des Bürgerkrieges noch immer kriegsähnliche Zustände herrschen. Die organisierte Kriminalität dominiert Gesellschaft und Staat und mit mehr als zehn Toten pro Tag weist Guatemala eine der höchsten Mordraten des amerikanischen Kontinents auf.
Auffällig sei dabei das scheinbare Desinteresse der meisten Menschen, das Blumer als «eine Art kollektive Lähmung und Resignation» beschreibt. Dass es aber auch Personen gibt, die sich gegen die Ohnmacht des Staates wehren und sich für ihre Rechte einsetzen, zeigt Blumers Dokumentarfilm. Sie verleiht diesen Mutigen ein Gesicht und dokumentiert unter anderem den Kampf einer Mutter, deren 8-jährige Tochter ermordet wurde, und begleitet sie zur Stiftung Sobrevivientes, welche versucht Verbrechen aufzudecken, die vertuscht werden.
«Es war das Ziel des Filmes, nicht nur ein Problem aufzuzeigen, sondern vor allem auf die Lösungen hinzuweisen», so Blumer. Die 27-jährige Blumer freue sich wahnsinnig, dass sie den Film am diesjährigen Zurich Film Festival zum ersten Mal zeigen darf. «Buenos dias, seguímos en guerra» feiert seine Premiere am Freitag, den 25. September 2009, um 18.30 Uhr im Kino Corso 4 und eröffnet den Internationalen Dokumentarfilmwettbewerb.