2006 feierte Produzent, Drehbuchautor und Fernsehregisseur Judd Apatow mit seinem Kinodebüt «The 40-Year-Old Virgin» einen Überraschungserfolg. In der gnadenlosen Komödie schilderte er, wie ein 40-jähriger Jungeselle zögerlich versucht, seine Unschuld zu verlieren. 2007 folgte der zweite Geniestreich: In «Knocked Up» bringt Apatow zwei unterschiedliche Personen wegen einer ungewollten Schwangerschaft zusammen.
Der leicht dickliche Ben (Seth Rogen) und seine vier WG-Kollegen sind die Vorbilder für jeden verantwortungslosen Taugenichts. Ihre Tage verbringen sie meist bekifft mit Jungesellenspielen wie Flammenboxen oder Filmzitieren. Geld verdienen wollen sie mit einer Website, auf der minutiös berichtet wird, in welchen Filmen bekannte Schauspieler nackt zu sehen sind. Wer nun denkt: «Geniale Idee, aber gibt es das nicht schon?», ist den fünf Mittzwanzigern schon mindestens eine Nasenlänge voraus.
Das pure Gegenteil ist die bildhübsche, pflichtbewusste Alison (Katherine Heigl), die gerade beim Fernsehsender E! zur Interviewerin befördert worden ist. Als sie mit ihrer Schwester (Leslie Mann) den neuen Job in einem Nachtclub feiert, trifft sie auf Ben. Mit ein paar Drinks zu viel im Blut schleppt sie ihn zu sich nach Hause, und in der Eile geht das Kondom vergessen. Ein paar Wochen später machen sich die Folgen bemerkbar. Als Alison den ahnungslosen Vater informiert, fällt der zunächst aus allen Wolken, verspricht dann aber, für Alison und das Kind da zu sein. Alison und Ben versuchen eine Beziehung aufzubauen, doch kurz vor der Geburt müssen sie sich eingestehen, dass sie zu unterschiedlich sind.
Judd Apatow ist bei «Knocked Up» wieder nicht nur Regisseur, sondern auch Drehbuchautor. Wer in dieser Sparte sein Vorbild ist, lässt er gleich selbst erkennen. Der wenig hilfreiche Vater von Ben wird nämlich von Harold Ramis gespielt, dem Drehbuchautor von Komödienklassikern wie «Animal House» und «Ghostbusters» und Regisseur von «Groundhog Day», der besten Komödie der 90er-Jahre. Judd Apatow tritt nun sozusagen die Nachfolge von Ramis an.
Wilder Humor gepaart mit vielen politisch völlig unkorrekten Witzen sind das Markenzeichen von Apatow. Allerdings nimmt er sich auch genügend Zeit, seine Geschichten mit einem kohärenten Handlungsbogen auszustatten und die Figuren mit viel Tiefe und Einfühlungsvermögen dreidimensional zu gestalten. Daraus formt er nun wieder eine perfekte Komödie, die trotz einer Laufzeit von über zwei Stunden keine Sekunde langweilig wird, und deren Figuren viel Identifikationspotenzial bieten. Kommt hinzu, dass Apatow eben nicht nur mit dem Vorschlaghammer unter die Gürtellinie zielt, sondern auch viel Gespür für feine Zwischentöne und treffende Einschübe beweist.
Die Leistungen der Schauspieler lässt zudem darauf schliessen, dass es Apatow versteht, die volle Leistung seiner Darsteller auf die Leinwand zu bringen. So laufen die vielfach unterschätzten Nebendarsteller Leslie Mann und Paul Rudd («I Love You, Mann») zu Höchstform auf, und die Hauptdarsteller Katherine Heigl und Seth Rogen dürfen nuancenreich das ungleiche Paar spielen.
Fazit: «Knocked Up» bietet erbarmungslosen Humor mit viel Herz. Eine seltsame Kombination, die von Regisseur Apatow und seiner Crew unwiderstehlich umgesetzt worden ist.
Bewertung:
(Bilder: ©Universal)