Für gewöhnlich erinnere ich mich nicht an Träume, heute Nacht hatte ich aber einen eher seltsamen: Ich bin am 8. März 2010 ausgeschlafen aufgewacht und habe gar nicht über die 82nd Annual Academy Awards berichtet. So weit wird es vermutlich nicht kommen. Auf jeden Fall hat diese Woche das Oscar-Rennen so richtig offiziell begonnen. Auf Awards Daily, meiner primären Anlaufstelle für Oscar-Informationen, ist nämlich ein erstes «For Your Consideration»-Inserat aufgetaucht. Das ist auch Anlass genug, um einen ersten Blick auf das noch breite Feld zu werfen.
Das Inserat macht Werbung für den klaren Anwärter «A Serious Man», den aktuellen Film von Joel Coen und Ethan Coen, die 2008 drei Oscars für «No Country for Old Men» erhalten haben und schon 1997 für das Drehbuch zu «Fargo» ausgezeichnet wurden. Auch der neue Film soll recht gut sein. Der Schweizer Verleih hat den Deutschschweizer Kinostart schon einmal auf mögliche Oscar-Nominierungen abgestimmt und wird die Tragikomödie am 21. Januar in die Kinos bringen. Die Nominationen werden dieses Jahr allerdings erst relativ spät am 2. Februar verkündet.
Die auffälligste Änderung in diesem Jahr: An der 82. Oscar-Verleihung werden erstmals seit 1943 wieder zehn Filme in der Hauptkategorie «Best Picture» eine Nomination erhalten. Das bedeutet einerseits, das ein Film wie «Invictus» von Clint Eastwood eine Nomination schon so gut wie auf sicher hat. Dadurch dürften 2010 andererseits auch Filme aus Genres eine Chance erhalten, die sonst nicht berücksichtigt werden. Häufig werden die Science-Fiction-Filme «District 9» und «Star Trek» sowie der Liebesfilm «(500) Days of Summer» genannt.
Eine gewichtige Expertenrunde hat Tom O’Neil von «The Gold Derby» zusammengestellt. Bei der Befragung von 16 «Weisen» erhielten «The Hurt Locker», «Invictus», «Precious», «Up in the Air» von Jason Reitman («Juno») und «Up» mindestens 14 Stimmen. Dich gefolgt werden diese Top Five von «Nine» von Rob Marshall («Chicago»), «The Lovely Bones» von Peter Jackson, «Avatar» von James Cameron und «An Education» von Lone Scherfig nach einem Drehbuch von Nick Hornby, die alle mindestens 10 Stimmen vorweisen können.
Das sind schon einmal neun Favoriten, von denen allerdings meiner Ansicht nach lediglich «Invictus» mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einer Nomination rechnen kann. Gesehen habe ich sowieso erst «The Hurt Locker», «Up» und Ausschnitte aus «Avatar». Von den Filmen, die ich bereits gesehen habe, sind neben den bereits genannten Aussenseitern «District 9», «Star Trek» und «(500) Days of Summer» auch noch «Inglourious Basterds», «Away We Go», «The Informant!» und «Moon» mit unterschiedlich hohen Aussichten im Rennen. Bei zehn Startplätzen kann aber sowieso davon ausgegangen werden, dass es mindestens zwei Überraschungen geben wird.
Bleibt noch zu erwähnen, dass Awards Daily vor ein paar Wochen eine Umfrage zu den Favoriten bei den männlichen Hauptdarstellern durchgeführt hat. In dieser Kategorie sehen die Leser derzeit Colin Firth in «A Single Man» und George Clooney «Up in the Air» in Führung. Irgendwie bezweifle ich allerdings, dass die Academy dieses Jahr nach Sean Penn schon wieder einen Schauspieler auszeichnet, der einen homosexuellen Mann (Firth) spielt, und Clooney wurde schon für vermutlich gewichtigere Rollen übergangen. Immerhin hat Clooney einem Gemeinsamkeit mit meinem Favoriten. Wie Morgan Freeman erhielt er bereits einen Oscar für eine Nebenrolle. Da aber Freeman dieses Jahr einen Friedensnobelpreisträger spielt, wird er wohl unbesiegbar sein.