«The Lord of the Rings» von Peter Jackson (Blu-ray)

Elijah Wood und Sean Astin in «The Lord of the Rings»

Even the smallest person can change the course of the future.

Auf den ersten Blick ist es nicht unbedingt ersichtlich, wieso ausgerechnet Peter Jackson der perfekte Regisseur für «The Lord of the Rings» war. Auf zwei Low-Budget-Horrorfilme, «Bad Taste» und «Braindead», folgte das künstlerisch anspruchsvolle Juwel «Heavenly Creatures» und danach der völlige Fehlstart in Hollywood: die unterschätzte Geisterkomödie «The Frighteners» spielte nicht einmal das Budget ein. Doch genau diese Mischung prädestinierte Jackson dazu, die beste Fantasy-Trilogie zu realisieren, die aber eigentlich gar keine Trilogie ist.

Wer das populärste Fantasy-Werk inszeniert, hat natürlich schon einmal einen gewissen Startvorteil. Gleichzeitig gibt es bei der Verfilmung von einem Buch, von dem ungefähr 150 Millionen Exemplare verkauft wurden, auch umso mehr Erwartungen zu erfüllen. Peter Jackson stellte sich dieser einzigartigen Herausforderung und produzierte für das vergleichsweise geringe Budget von 280 Millionen Dollar einen dreiteiligen Film, der in den Kinos weltweit über 2,9 Milliarden Dollar eingespielt hat.

Beeindruckender als das Abschneiden an den Kinokassen ist jedoch die überwältigende Inszenierung. Jackson profitierte davon, dass die Produzenten die Weitsicht hatten, das gigantische Werk an einem Stück zu verfilmen. Wie es sich gehört. J.R.R. Tolkien hat gar nie beabsichtigt, seine Geschichte in drei Teilen zu veröffentlichen. Die Einheit der Handlung ist offensichtlich. Im Kino erfolgte die Aufteilung auf drei Episoden rein aus praktischen Gründen. Jackson und seine Drehbuchautorinnen Fran Walsh und Philippa Boyens verdichteten die knapp 1400 Seiten des Romans für die Kinoversion auf etwas über neun Stunden Film, hatten allerdings auch den Mut, einige eigene Elemente einzubauen.

Elijah Wood in «The Lord of the Rings»

Falls es tatsächlich noch Personen gibt, die keine Ahnung haben, wovon «The Lord of the Rings» handelt und trotzdem bis an diese Stelle gelesen haben, folgt hier eine kurze Zusammenfassung der Ausgangslage. Durch einen seltsamen Zufall ist ein magischer Ring in den Besitz des Hobbits Bilbo Baggins (Ian Holm) gelangt. Der Ring wurde 2500 Jahre früher vom dunklen Herrscher Sauron geschmiedet, damit er ganz Middle-Earth unterwerfen kann. Doch bei einer Schlacht wurde Lord Sauron vernichtet und die Geschichte vom Ring geriet beinahe in Vergessenheit: «History became legend. Legend became myth.» Als sich wieder ein dunkler Schatten über Middle-Earth ausbreitet, versuchte der Ring zu seinem Besitzer zurückzukehren, landete aber eben in den Händen von Bilbo. Der hat knapp 60 Jahre später genug von dieser Last und macht sich an seinem 111. Geburtstag aus dem Staub.

Den Ring und alles restliche Eigentum vermacht Bilbo seinem 33-jährigen Cousin Frodo Baggins (Elijah Wood). Der erhält vom weisen Zauberer Gandalf (Ian McKellen) den Auftrag, den Ring bis zu seiner Rückkehr von einer Reise sicher aufzubewahren. Doch Gandalf wird vom korrupten Zauberer Saruman (Christopher Lee) aufgehalten. Frodo macht sich unterdessen auf den Weg zu den Elfen nach Rivendell. Begleitet wird er von den Hobbits Samwise Gamgee (Sean Astin), Peregrin Took (Billy Boyd) und Meriadoc Brandybuck (Dominic Monaghan). Unterwegs werden die vier Hobbits schon beinahe von den nach dem Ring suchenden Ringgeistern aufgespürt und treffen auf den Ranger Aragorn (Viggo Mortensen).

Aragorn stellt sich als Freund von Gandalf vor und bietet den Hobbits an, sie auf dem Weg nach Rivendell zu beschützen. Nach einer beschwerlichen Reise erreichen sie den schützenden Ort, wo auch Gandalf auf sie wartet. Nach einer Beratung mit Elfen-Lord Elrond (Hugo Weaving) wird beschlossen, dass Frodo versuchen soll, den Ring im Reich von Mordor zu vernichten, wo er einst im Vulkan Mount Doom geschmiedet wurde. Eine Gemeinschaft von neun Personen bricht auf, wird aber schon bald getrennt. Gandalf fällt im Kampf mit einem Balrog, Frodo und Sam flüchten alleine, Merry und Pippin werden von Orcs entführt.

Elijah Wood in «The Lord of the Rings»

Vom ultimativen Kampf zwischen Gut und Böse handelt also «The Lord of the Rings». Bedrohlich winzig wirken die an sich schon kleinwüchsigen Hobbits in dieser Welt, in der nicht nur böse Magier nacht Macht streben, sondern in der es auch nur so vor schrecklichen Orcs, den viel fürchterlicheren Uruk-Hai und gigantischen Trollen wimmelt. Wuchtig, majestätisch, ein wenig romantisch und mit der richtigen Dosierung zwischen erschreckend, aufbauend und pathetisch erzählt Jackson diese Geschichte. Zurückhaltend ist auch Humor eingestreut. Nicht nur die ständig hungrigen Hobbits, auch zwei weitere Gefährten, der Zwerg Gimli (John Rhys-Davies) und der Elf Legolas (Orlando Bloom) sorgen mit ihrem Wettstreit in den Schlachten für Erheiterung in düsteren Momenten. Dafür weicht Gimli auch einmal von seiner Devise «Nobody tosses a dwarf!» ab.

Im Zentrum der Geschichte steht ganz klar die Frage nach den Auswirkungen, die Entscheidungen von einer einzelnen Person haben kann. Schon zu Beginn formuliert Frodo seinen Wunsch, dass er niemals in den Besitz dieses Rings gelangt sei: «I wish the ring had never come to me. I wish none of this had happened.» Darauf erklärt ihm Gandalf seine Rolle: «So do all who live to see such times. But that is not for them to decide. All we have to decide is what to do with the time that is given to us. There are other forces at work in this world Frodo, besides the will of evil. Bilbo was meant to find the Ring. In which case, you were also meant to have it. And that is an encouraging thought.» Eine Mischung zwischen Schicksal und freiem Wille bestimmt den Weg von Frodo. Ihm ist es zwar vorbestimmt, den Ring zu vernichten, doch dazu muss er beharrlich seinen Weg gehen und auch auf die teilweise unerwartete Unterstützung von anderen Figuren vertrauen.

Die eigentliche Botschaft des Films wird am Ende des zweiten Kapitels von Sam zusammengefasst. Fast schon auf einer Metaebene muntert er Frodo auf: «I know. It’s all wrong. By rights we shouldn’t even be here. But we are. It’s like in the great stories, Mr. Frodo. The ones that really mattered. Full of darkness and danger, they were. And sometimes you didn’t want to know the end. Because how could the end be happy? How could the world go back to the way it was when so much bad had happened? But in the end, it’s only a passing thing, this shadow. Even darkness must pass. A new day will come. And when the sun shines it will shine out the clearer. Those were the stories that stayed with you. That meant something, even if you were too small to understand why. But I think, Mr. Frodo, I do understand. I know now. Folk in those stories had lots of chances of turning back, only they didn’t. They kept going. Because they were holding on to something.»

Doch die beiden Helden sind an einer Stelle angelangt, an der Frodo nicht mehr viel Zuversicht besitzt. «What are we holding on to, Sam?», fragt er zweifelnd. Sam ist sich sicher: «That there’s some good in this world, Mr. Frodo. And it’s worth fighting for!» Dieser grundlegende Optimismus durchdringt den gesamten Film, sorgt immer wieder für bewegende und berührende Momente und erklärt wohl auch, wie es eben Sam beschreibt, die Faszination für diese Geschichte, in der sich besonders Frodo und Sam ausserordentlich hartnäckig gegen eine scheinbar unüberwindbare Herausforderung wehren.

Viggo Mortensen und Liv Tyler in «The Lord of the Rings»

Die Inszenierung ist vielleicht nicht in jeder Beziehung perfekt. Einige Zeitlupenaufnahmen sind vermutlich übertrieben, diverse Schlachten hätten auch ein wenig gekürzt werden können. Und dennoch begeistert «The Lord of the Rings» von Peter Jackson durch einen stimmungsvollen Gesamteindruck. Der umfasst neben der eindrücklichen visuellen Umsetzung auch die treffende Besetzung, die auch aus gleich drei Commander of the Order of the British Empire besteht, Sir Ian McKellen, Sir Ian Holm und Sir Christopher Lee.

Auf Blu-ray-Disc sind jetzt die Kinofassungen von «The Lord of the Rings» erhältlich. Viel gibt es dazu nicht zu sagen. Die Bild- und Tonqualität sind tadellos. Das Bonusmaterial wurde von den DVDs übernommen und ist daher nicht wirklich der Rede wert, zumals es eher mittelmässig ist und einige Beiträge auf Personen ausgerichtet sind, welche die Filme noch gar nicht gesehen haben. Nun gilt es daher auf die «Extended Edition» zu warten, in der die Geschichte durch zusätzliche zwei Stunden mit einem besseren Rhythmus und noch eindringlicher ausgestalteten Figuren erzählt wird.

Bewertung: 6 Sterne
Bild-/Tonqualität (Blu-ray): 6 Sterne
Bonusmaterial (Blu-ray):
3 Sterne

(Bilder: © Warner Home Video)

Mehr zum Thema:
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1 comment

  1. Warum bringt man Jahre nach der Extended Edition eine Blu-Ray mit der Kinofassung? Das ist doch wieder nur Geldmacherei, damit man beides kauft.

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