What you’re going to see, are the designs and pictures and stories that music inspired in the minds and imaginations of a group of artists.
Es gibt einige Gründe, um von «Fantasia» nicht sonderlich begeistert zu sein. Da wird einerseits keine integrale Geschichte erzählt, die etwa die Identifikation mit einer Figur erlauben würde. Andererseits bringen kitschige Elemente wie tanzende Pilze und Nilpferde oder eine griechische Götterwelt in rosa Pastelltönen den künstlerischen Wert mehrmals ins Wanken. Doch das ändert alles nichts daran, dass das filmische Experiment von Walt Disney einer der besten, wenn nicht sogar der beste Animationsfilm aller Zeiten ist.
1940 brachte Walt Disney das betörende und gewagte Meisterwerk «Fantasia» in die Kinos. Als Vorlagen dienten im Grunde seine eigenen «Silly Symphonies», die zwischen 1929 und 1939 produzierten kurzen Trickfilme, in denen Musik als treibende Kraft der Handlung funktioniert. Für die verspielten Geschichten in «Fantasia» dienten dann ausschliesslich klassische Musikstücke als Inspiration. Die besondere Faszination der während der Entstehung lediglich als «Konzertfilm» bezeichneten Produktion besteht in der ebenso vielfältigen wie kunstvollen Umsetzung der einzelnen Episoden, die teilweise überwältigend, teilweise aber auch zu niedlich sind.
Das eindrückliche Kernstück und sicherlich bekannteste Segment der Produktion zeigt Mickey Mouse als Zauberlehrling, der sich ordentlich überschätzt. Zu «L’apprenti sorcier» von Paul Dukas verwandelt er einen Besen in einen Wasserträger. Voller Selbstzufriedenheit ruht Mickey sich aus und wacht erst wieder auf, als ihm das Wasser bereits bis zum Hals steht. Wird hier eine konkrete Geschichte erzählt, entführt der mutige Auftakt gleich in ein visuelles Experiment. Das von Dirigent Leopold Stokowski für Orchester arrangierte Orgelwerk Toccata und Fuge in d-Moll (BWV 565) von Johann Sebastian Bach wurde durch teils abstrakte, teils symbolische Bildfolgen illustriert.
Wurde in «The Sorcerer’s Apprentice» ganz einfach die dazu entsprechende Geschichte aus dem Gedicht «Der Zauberlehrling» von Goethe erzählt, ist die Interpretation von anderen Stücken um einiges freier ausgefallen. Das trifft vor allem auf das Segment zu «Le sacre du printemps» von Igor Strawinski zu. Während im Ballett von Strawinski eine heidnische Frühlingsweihe beschrieben wird, schildern die Zeichner von Disney die Entstehung der Erde über das Erscheinen der ersten Lebewesen, ihre Evolution bis hin zum Aussterben der Dinosaurier. Betörend sind zu Beginn der Flug durch das Universum und die Eruptionen der Vulkane auf der noch glühenden Erde.
Klarer Höhepunkt von «Fantasia» ist aber das grandiose Finale, in dem von «Night on Bald Mountain» von Modest Mussorgski zu «Ellens dritter Gesang» (das «Ave Maria») von Franz Schubert übergeleitet wird. In der «Nacht auf dem kahlen Berg» erwacht der von Zeichner Bill Tytla meisterhaft gestaltete schwarze Gott Chernabog und ruft die toten Seelen aus der nahen Stadt zu sich. Er lässt die Geister und Gestalten für sich tanzen, bevor er sie in Dämonen verwandelt und in eine feurige Unterwelt in der Grube wirft. Wenn sich drei nackte Frauen in der Hand von Chernabog lasziv bewegen, dann erinnert das eher an den Vorspann zu einem James-Bond-Film als an einen Animationsfilm von Walt Disney.
Erschreckende Szenen kommen zwar sogar in «Snow White and the Seven Dwarfs» vor, aber ganz so konsequent düster wie in dieser Episode ist kein anderer Film von Walt Disney. Der Horror des schwarzen Gottes wird gleich anschliessend durch den Übergang zu «Ellens dritter Gesang» von Schubert abgefedert und gemildert. Am Morgen vertreiben die Kirchenglocken die Dunkelheit der Nacht und lassen Chernabog (und das Publikum) zur Ruhe kommen. Die Kamera folgt der Prozession von Verhüllten Gestalten, die mit Kerzen durch einen an eine Kathedrale erinnernden Wald schreiten. Am Ende strahlt die Sonne über den Bergrand.
Auf der Blu-ray-Disc ist die Bildqualität intensiv brillant. Da kann die Tonspur nicht ganz mithalten, obschon Walt Disney damals für die Aufnahme der Musik sogar ein neues Tonsystem entwickeln liess und diese Aufnahmen nun für die Blu-ray-Disc in DTS-HD Master Audio 7.1 abgemischt wurden. Doch selbst Fantasound bietet eben lediglich Stereofonie und somit nach modernster Entwicklung nur eine beschränkte Klangtreue. Ein Sitzplatz im Orchester ist dadurch nicht möglich. Das Orchester klingt zwar so klar wie möglich, teilweise tönen vor allem die Blechblasinstrumente aber immer noch ein wenig zu metallisch.
Relativ bescheiden ist das Bonusmaterial auf der Blu-ray-Disc, besonders im Vergleich zu der 2000 in Nordamerika herausgegebenen «Fantasia Anthology»-Version auf drei DVDs. Darauf waren neben zwei Audiokommentaren auch eine 50-minütige Dokumentation und zudem ausführliches Material über die einzelnen Segmente und sogar die restaurierte Version des entfallenen Segements zu «Clair de lune» von Claude Debussy enthalten. Davon wurden für die Blu-ray-Disc lediglich die beiden Audiokommentare übernommen. Der erste besteht primär aus Originalaussagen von Walt Disney, auf dem zweiten führen Roy Edward Disney, Animationsfilmhistoriker John Canemaker, Dirigent James Levine und Restaurationsexperte Scott MacQueen durch den Film.
Auf der Blu-ray-Disc werden diese beiden Audiokommentare durch einen dritten mit Brian Sibley ergänzt. Der Disney- und Fantasy-Experte spricht sehr informativ und kurzweilig über den Film und erwähnt auch die Selbstzensur im Segment zur 6. Sinfonie in F-Dur, Op. 68 «Pastorale» von Ludwig van Beethoven, in der ursprünglich eine dunkelhäutige Zentaurin als Dienerin zu sehen war, die in der aktuellen Fassung durch eine Reduktion des Bildausschnitts ausgeblendet wurde. Zusätzliche Beiträge sind eine kurze Einführung in das Walt Disney Family Museum in San Francisco (4 Minuten) und eine Vorstellung des «Schultheis Notebook» (14 Minuten), in dem Herman Schultheis die für die Produktion von «Fantasia» verwendeten Spezialeffekte dokumentiert hatte.
Bewertung:
Bildqualität (Blu-ray):
Tonqualität (Blu-ray):
Bonusmaterial (Blu-ray):
(Bilder: © Walt Disney Studios Home Entertainment)