Schweizer Drama setzt sich gegen Hollywood durch

Und der Schweizer Film lebt doch noch! Ziemlich genau ein Jahr nach «Sennentuntschi» steht mit «Der Verdingbub» wieder eine einheimische Produktion an der Spitze der Rangliste der meistbesuchten Filme in den Deutschschweizer Kinos. Das Drama von Regisseur Markus Imboden erzählt die Geschichten vom Waisenjungen Max, der an eine Bauernfamilie verdingt wird und von seinen neuen Pflegeeltern und deren Sohn statt Liebe und Anerkennung nur Demütigung und Eifersucht erfährt. Dieser Erfolg zeigt, dass ernste Themen aus der Schweiz durchaus ein grosses Publikum in die Kinos locken können. «Der Verdingbub» hat womöglich das Potenzial zu einem Kassenschlager wie «Grounding» (378’417 Eintritte ab Januar 2006) oder sogar wie «Mein Name ist Eugen» (578’939 Eintritte ab September 2005) und «Die Herbstzeitlosen» (596’379 Eintritte ab Oktober 2006) zu werden.

Zwei neue Grossproduktionen aus Hollywood sind mit vergleichsweise bescheidenen Resultaten auf dem 3. und dem 4. Platz der Rangliste gelandet. Sowohl die Krimikomödie «Tower Heist» mit Ben Stiller und Eddie Murphy als auch der action-lastige Familienfilm «Real Steel» mit Hugh Jackman muss sich mit einem durchschnittlichen Kopienschnitt zufrieden geben. Noch ein wenig weiter hinten erfolgt auf dem 6. Platz das Debüt des Horrorfilms «Paranormal Activity 3». Obschon durch diese Rangierung der Eindruck entstehen könnte, dass sich der Reiz der minimalistischen Thriller-Serie erschöpft hat, liegt «Paranormal Activity 3» gemessen an Besuchern pro Leinwand sogar noch vor «Der Verdingbub» auf dem 2. Platz der Filme in den Top Ten.

Das starke Schweizer Eigengewächs führte dazu, dass sich die Gesamtbesucherzahl in den Deutschschweizer Kinos um 19,9 Prozent auf anständige 111’069 Eintritte erholt hat. Dieser Wert liegt zwar leicht unter dem Resultat aus dem Vorjahr, übertrifft aber (ebenso leicht) die Ergebnisse aus den beiden Jahren zuvor. Das 44. Wochenende von 2010, an dem «Due Date» vor «Red» in Führung lag, erreichte noch 117’998 Eintritte (6,2 Prozent mehr). 2009 sorgten «This Is It» vor «Männerherzen» für 105’008 Eintritte (5,5 Prozent weniger). 2008 reichte es mit «High School Musical 3: Senior Year» vor «Burn After Reading» zu 100’092 Eintritten (9,9 Prozent weniger). 2007 wurden mit «Ratatouille» vor «The Heartbreak Kid» 117’046 Eintritte gezählt (5,4 Prozent mehr). Aus den Top Ten haben sich «I Don’t Know How She Does It» (nach 3 Wochen), «La piel que habito» (4) und «Le havre» (5) verabschiedet.

Besucherrangliste vom Wochenende, 3. bis 6. November 2011 (KW 44)

Rang. (Vorwoche.) Filmtitel (Verleiher)
Besucher | ± | Bes. Total | Wochen | Leinwände | Bes. pro Leinwand

1. (neu) Der Verdingbub (Elite)
25’054 | – | 29’824 | 1 | 49 | 511

2. (1.) The Adventures of Tintin (Disney)
23’507 | -26,3% | 66’698 | 2 | 82 | 286

3. (neu) Tower Heist (Universal)
12’461 | – | 12’591 | 1 | 44 | 283

4. (neu) Real Steel (Disney)
11’894 | – | 11’894 | 1 | 39 | 304

5. (2.) Killer Elite (Elite)
9802 | -36,3% | 31’304 | 2 | 17 | 576

6. (neu) Paranormal Activity 3 (Universal)
8436 | – | 8436 | 1 | 15 | 562

7. (3.) The Change-Up (Universal)
7494 | -37,4% | 41’916 | 3 | 23 | 325

8. (4.) Johnny English Reborn (Universal)
6037 | -47,3% | 163’258 | 5 | 31 | 194

9. (5.) Abduction (Rialto)
3397 | -44,0% | 24’227 | 3 | 19 | 178

10. (10.) Prinzessin Lilifee und das kleine Einhorn (Rialto)
2987 | +6,3% | 7166 | 2 | 26 | 114

(Quelle: SFV, Bild: Acsot-Elite)

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