«The Martian» von Ridley Scott (Blu-ray)

Everywhere I go, I’m the first. It’s a strange feeling.

Zu beneiden ist Mark Watney im Grunde nicht. Der Protagonist aus dem Roman «The Martian» von Andy Weir kämpft, fast auf sich alleine gestellt, auf dem Mars um sein Überleben. Immerhin kann er sich dabei als Pionier der Wissenschaft und Kolonialist seines eigenen Planeten fühlen. Die faszinierende Geschichte vom gestrandeten Weltraumreisenden wurde von Regisseur Ridley Scott bildgewaltig und mitreissend als Science-Fiction-Komödie inszeniert.

*** Spoilerwarnung: Wer nicht erfahren möchte, wie der Film endet, liest nicht weiter! ***

Wer irgendwie erwartet, dass in «The Martian» ausserirdische Lebewesen oder sonstige ungewöhnliche Gefahren auftauchen, wird vom Film enttäuscht sein. Die Geschichte von Andy Weir beschäftigt sich ausschliesslich mit der an und für sich gar nicht so aussergewöhlichen Situation der Hauptfigur Mark Watney, die nach dem abrupten Abbruch der Mission von der restlichen Crew auf dem fremden Planeten zurückgelassen werden musste. Eine Situation, in der sich Menschen in einigen Jahren vielleicht tatsächlich befinden könnten. Der Botaniker und Maschinenbauingenieur Watney (Matt Damon, «The Departed», «The Informant!») sieht sich dabei vor die Aufgabe gestellt, aus Material und Lebensmitteln, die sein Überleben nur für eine beschränkte Anzahl an Tagen und Aufgaben erlaubt hätten, sein Fortbestehen bis zur Ankunft der nächsten Mission zu sichern. Dazu ist er zunächst einmal auf sein eigenes Wissen angewissen, und er bringt es bald einmal fertig, Kartoffeln anzupflanzen, die zusammen mit den übrigen Essensrationen immerhin ausreichend Nahrung für verschiedene Optionen bieten.

Ausserdem gelingt es ihm durch eine Exkursion zu einer realen Mars-Mission, den abgebrochenen Kontakt zur Erde wiederherzustellen. Dazu ist er, ebenso wie bei der Herstellung von zusätzlichen Wasser oder der Erzeugung von Strom und Wärme für die Ausflüge mit seinem Fahrzeug, auf wissenschaftliche Lösungen angewiesen. Nachdem er sich wieder mit der Leitung der Mission auf der Erde austauschen kann, werden zudem neue Pläne für seine Rettung entworfen. So soll Watney mit seinem Fahrzeug 3200 Kilometer von seinem aktuellem Standort in der Tiefebene Acidalia Planitia zur Landungszone der nächsten Mission im Schiaparelli-Krater reisen. Dort kann er mit dem sich dort befindlichen Mars Ascent Vehicle (MAV) wieder den Mars verlassen und von seiner Crew (Jessica Chastain, «The Tree of Life», Michael Peña, «Fury», Kate Mara, «127 Hours», Sebastian Stan, Aksel Hennie) gerettet werden, die sich gegen die Landung auf der Erde und stattdessen für ein Gravitationsmanöver um die Erde entschieden hat, um zu ihrem verlorenen Mitglied zurückzukehren.

«The Martian» ist ein Vertreter der reinen «Science-Fiction», einer «Wissenschafts-Fiktion», die weder Elemente von Fantasy (wie etwa «Star Wars») oder Horror (wie «Alien») und auch nur sehr geringfügig Action (wie «The Matrix») enthält. Vielmehr hat sich Andy Weir beim Verfassen seines Romans ausschliesslich mit der Frage auseinandergesetzt, was passieren würde, wenn eine Mission misslingt, und wie sich eine Person aus der dadurch entstandenen Situation durch die eigenen Fähigkeiten und die Hilfe der Wissenschaftsgemeinde auf der Erde retten könnte. Dieses einfache Konzept wird im Roman auf die Spitze getrieben, indem Watney immer wieder eine Lösung für ein Problem findet, sich kurze Zeit später aber wieder in einer fast ausweglosen Position wiederfindet. Da die Situation reichlich makaber ist, wird die Geschichte mit reichlich Humor angereichert. Schliesslich sind ein wenig Selbstironie und Galgenhumor in solchen Momenten für die gesunde Psyche erforderlich. So weigert sich Watney zwischendurch, den Anweisungen der NASA-Leitung zu gehorchen, und an einer Stelle erklärt er genüsslich, dass er ein Pirat sein wird, wenn er ohne Erlaubnis das MAV besteigen wird.

Die Erzählung im Roman erfolgt zunächst in der Form von Tagebucheinträgen, so dass sich nicht beurteilen lässt, ob die Figur die Ereignisse überleben wird. Erst als die Leitung der Mission auf der Erde bemerkt, dass Watney noch lebt, erweitern andere Perspektiven die Narration. Ob Watney überlebt, ist jedoch nie wirklich die entscheidende Frage. Wie er die Herausforderungen meistert wird dafür umso ausführlicher beschrieben. Der Roman von Weir erscheint dadurch wie ein Loblied auf die Wissenschaftsgemeinde und am Ende auf den Altruismus der Menschheit im Allgemeinen, die alle Ressourcen dafür einsetzt, um das Überleben eines einzelnen Menschen zu sichern, ob es sich nun um einen Astronauten im Weltraum, einen verirrten Wanderer in den Bergen oder die Opfer eines Zugunglücks handelt. Oder wie es Weir selbst gegen Ende des Romans die Rettung von Watney erklärt: «because every human being has a basic instinct to help each other out.»

Für die Verfilmung hat Drehbuchautor Drew Goddard die Handlung ein wenig verdichtet, die meisten Elemente aber exakt aus der Vorlage übernommen. Gekürzt wurde vor allem bei den umfangreichen technischen und naturwissenschaftlichen Erklärungen, aber auch erheblich bei den Schwierigkeiten auf der Reise zum Schiaparelli-Krater, zu denen im Roman der Ausfall der Kommunikation mit der Erde, ein dadurch nicht rechtzeitig erkannter Sandsturm, der die Stromgewinnung durch die Solarzellen blockiert, sowie ein Unfall mit dem Fahrzeug gehört. Diese zusätzlichen Komplikationen hätten den Film wohl nur unnötig aufgebläht und zu sehr in die Länge gezogen. Ziemlich unsinnig ist hingegen eine Änderung, welche die Filmemacher für die Szene vorgenommen haben, in der Watney von seiner Crew aus dem MAV gerettet wird. Im Roman schlägt Watney vor, dass er ein Loch in seinen Anzug macht, um die zu grosse Distanz zum Raumschiff zu verkürzen («I’d get to fly around like Iron Man»). Die Idee wird als wahnsinnig verworfen, im Film aber trotzdem verwendet. Das Resultat ist eine vollkommen lächerlich wirkende Flugeinlage von Watney.

Für Regisseur Ridley Scott («Blade Runner», «Gladiator», «Alien»), legendärer Experte für Science-Fiction-Werke, ist die Umsetzung des Drehbuchs eigentlich nicht viel mehr als eine Fingerübung. Er beweist einmal mehr, dass er mühelos ein solch komplexes Projekt verwirklichen kann. Zusammen mit Kameramann Dariusz Wolski («Pirates of the Caribbean»-Filme, «Alice in Wonderland») ist er dafür verantwortlich, dass diese Weltraummission den notwendigen Rahmen erhält, um trotz einer fragwürdigen Szene die volle Wirkung zu entfalten. Dabei sorgen die im Wadi Rum in Jordanien entstandenen Aussenaufnahmen für eindrückliche Ausflüge von Watney. Das Darsteller-Ensemble um Matt Damon wird auf der Erde unter anderem durch Kristen Wiig, Jeff Daniels, Sean Bean («The Lord of the Rings») und Chiwetel Ejiofor ergänzt, die voller Spielfreude die Anspannung und die hektische Stimmung in der NASA-Zentrale vermitteln dürfen.

Auf der Blu-ray-Disc sind zunächst einmal zwei übliche Drehberichte vorhanden. «Signal Acquired: Writing and Direction» (10 Minuten) befasst sich mit der Geschichte und der Inszenierung, «Occupy Mars: Casting and Costumes» (14 Minuten) lässt die Schauspieler zu Wort kommen und konzentriert sich auf die Ausstattung. Auch einige misslungene und witzige Szenen (7 Minuten) stehen bereit. Daneben erweitern sechs weitere Beiträge das Universum des Films. Der längste, aber gleichzeitig auch sperrigste ist «Ares III: Refocused» (17 Minuten), ein Pseudo-Dokumentarfilm, in der sich die Mitglieder der NASA-Leitung an die Differenzen während der heiklen Mission erinnern. Diese Illusion wird aber zerstört, weil Szenen aus dem Film eingespielt werden, die für eine solchen Dokumentarfilm eigentlich gar nicht zur Verfügung gestanden wären. Schlüssiger sind die kürzeren Beiträge, welche die Crew im Raumschiff (3 Minuten) und nach einer Isolation (3 Minuten) zeigen.

Bewertung: 5 Sterne
Bild-/Tonqualität (Blu-ray): 5 Sterne
Bonusmaterial (Blu-ray): 4 Sterne

(Bilder: © Twentieth Century Fox Home Entertainment)

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