In Filmen aus Hollywood sind mit künstlicher Intelligenz ausgestattete Geräte meist ziemlich gefährlich. Sei das nun HAL aus «2001: A Space Odyssey», die Maschinen aus der «Terminator»-Saga oder Aria aus «Eagle Eye». Zum Glück für die bedrohten Menschen stellt sich die künstliche Intelligenz für gewöhnlich als eher beschränkt heraus, besonders im Fall der Terminatoren oder eben auch von Aria. Immerhin ist «Eagle Eye» so rasant inszeniert, dass die haarsträubende Handlung kaum auffällt.
Sie hört immer mit. Sie belauscht alle Gespräche. Sie analysiert und entscheidet. Sie? Für einmal ist «sie» nicht eine Organisation, sondern ein Überwachungssystem, das Adlerauge aus dem Titel. Die Maschine dahinter ist zärtlich Aria getauft. Habe ich jetzt schon zuviel verraten? Der kurzweilige Action-Thriller «Eagle Eye» dreht sich vollständig um dieses Überwachungssystem, das aber erst etwa in der Hälfte des Films vorgestellt wird.
Zuvor sind Jerry Shaw (Shia LaBeouf) und Rachel Holloman (Michelle Monaghan, «Gone Baby Gone») auf der Flucht vor dem FBI und dem Militär. Eine Frauenstimme am Telefon, im Navigationssystem von Autos und in anderen technischen Geräten befiehlt ihnen, wo sie hin müssen. Und eine unsichtbare Hand steuert zahlreiche weitere Gerätschaften (Lichtsignale, Kräne, Züge), um die Verfolger auf Distanz zu halten.
Nach «Disturbia» ist Shia LaBeouf nun wieder in einem Film von D.J. Caruso zu sehen. Und schon wieder stammt die Idee dazu von Steven Spielberg, der zuletzt auch an der Produktion von «Transformers» beteiligt war. Der Thriller fühlt sich dann auch ein wenig wie eine Mischung aus «Disturbia», «Transformers», «Minority Report» und «War of the Worlds» an. Auch die Geschichte ist ja nicht besonders einfallsreich: «The Net», «Enemy of the State» und «Antitrust» sind nur einige der Filme, in der die totale Überwachung thematisiert wird. Auch «Minority Report» hat im Grunde eine ähnliche Ausgangslage.
Hastig wird die teilweise wenig nachvollziehbare Handlung vorangetrieben. Zeit zum Überlegen soll keine vorhanden sein, denn sonst fällt das dünne Gerüst schnell auseinander. Die Handlung ist dermassen verbogen, dass vermutlich selbst die Drehbuchautoren keine Ahnung mehr hatten, wie sie noch weitere Kurven einbauen sollten. An der Form lässt sich hingegen nicht viel aussetzen, obschon einige Szenen, besonders die erste Verfolgungsjagd mit Autos, ein wenig zu unübersichtlich inszeniert sind. Aber die Knalleffekte sind grundsätzlich sehr wirkungsvoll eingesetzt. Zudem lockert Billy Bob Thornton als knallharter FBI-Agent die Stimmung ein wenig auf.
Nicht gerade sonderlich konsequent behandeln die Filmemacher das zentrale Element. Da hat nämlich das für die nationale Sicherheit verantwortliche System «Eagle Eye» die Hauptgefahr für den Frieden auf der Welt ausfindig gemacht, doch anstatt diesen provokativen Gedanken zum logischen Ende zu führen, wird der Geschichte ein sperriges Happy-End aufgesetzt. Da wird davon geredet, dass einige Mittel zur Bewahrung der Freiheit genau eben diese Freiheit bedrohen. In diesem Zusammenhang ist das aber eine feige Lüge, da durch die gezeigte Auflösung die weitere Beschneidung der Bürgerrechte erst möglich wird. Aber vielleicht ist genau das die Botschaft der Filmemacher.
Betreffend der Intelligenz von Aria stellt sich die Frage, wie sich ein so exakt analysierendes Gerät bloss einen auf so vielen Unbestimmtheiten beruhenden Plan ausdenkt. Es lässt sich natürlich argumentieren, dass der Plan wegen seiner Unvorhersehbarkeit nicht verhindert werden kann. Dagegen liefert der Film aber selber genügend Beweise. Der Gipfel der Übertreibung wird wohl erreicht, als Jerry und Rachel die nächste Destination im Transportraum eines Militärflugzeugs ohne Druckausgleich erreichen sollen.
Damit sie nicht ersticken, sollen sie sich ein experimentelles Herzmedikament spritzen, das ihr Überleben zu 92 Prozent sichern wird. Das Medikament mussten sie zuvor bewaffneten Sicherheitspersonal abnehmen. Die Intelligenz von Aria ist also tatsächlich sehr künstlich. Da fallen mir bedeutend weniger gefährlichere Varianten ein, um die Protagonisten von A nach B zu transportieren. Ich würde diesem System nicht einmal die Überwachung einer Herdplatte anvertrauen, geschweige denn die Kontrolle der Staatssicherheit. Auch das die Botschaft der Filmemacher?
Die Bildqualität der Blu-ray-Disc ist eigentlich ausgezeichnet. Da aber Caruso und Kameramann Dariusz Wolski («Sweeney Todd») für ihren Film einen eher «schmutzigen» Look gewählt haben, sieht das Bild auch auf der Blu-ray-Disc nicht in jeder Szene sehr sauber aus. Bezüglich Bonusmaterial wird auf der Blu-ray-Disc gewarnt: «Special Features werden nicht hochauflösend gezeigt (Ausnahmen gekennzeichnet mit HD).» Auf dieser Blu-ray-Disc steht einzig hinter der Fotogalerie kein HD.
Bei den entfernten Szenen (4 Minuten) befindet sich auch ein alternatives Ende, das allerdings den Ausgang der Geschichte nicht wirklich verändert, sondern lediglich den Unsicherheitsfaktor ein wenig erhöht. Daneben sind diverse Berichte (insgesamt etwa 52 Minuten) enthalten, in denen sich leider einige Aussagen wiederholen. Interessant ist vor allem ein Gespräch zwischen Caruso und seinem Mentor John Badham, der mit «WarGames» ebenfalls einen Film über die Gefahren von Computer-Simulationen gedreht hat. In den misslungenen Szenen (7 Minuten) amüsiert vor allem Thornton mit seinen Improvisationen.
Bewertung:
Bild-/Tonqualität:
Bonusmaterial:
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Interview mit Regisseur D.J. Caruso
(Bilder: ©Paramount)