Was kommt heraus, wenn der Einfallsreichtum von Pixar mit der Tradition von Disney gekreuzt wird? Mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Mischung aus «Toy Story» und «The Incredible Journey». So lässt sich zumindest die Abenteuerkomödie «Bolt» aus den Walt Disney Animation Studios beschreiben. Sie ist unter der Produktion von John Lasseter entstanden, dem Regisseur von «Toy Story» und künstlerischen Leiter von Pixar.
Bolt (Stimme von John Travolta) ist ein Superhund. Meint er wenigstens. Als Welpe hat ihn Penny (Miley Cyrus) als Haustier ausgewählt. Nun muss er sie fast jeden Tag vor dem üblen Bösewicht Dr. Calico (Malcolm McDowell) retten, der ausserdem ihren Vater entführt hat. In Wirklichkeit ist Bolt jedoch ein ganz gewöhnlicher Hund, der einfach in einer Fernsehserie mitspielt. Das weiss er allerdings nicht.
Als nun plötzlich ein Tag damit endet, dass Penny in Gefahr schwebt (die Zielgruppe der Fernsehserie sehnt sich angeblich nach einem dramatischen Cliffhanger), ergreift Bolt die Flucht aus seinem Wohnwagen, um seinen Menschen zu retten. Dabei landet er jedoch in einer Kiste, aus der er erst in New York wieder entkommt – am anderen Ende des Landes. Nun macht er sich zusammen mit der Katze Mittens (Susie Essman) auf den Weg nach Hollywood. Unterwegs stösst auch noch der wagemutige Hamster Rhino (Mark Walton) dazu.
Eine völlig realitätsfremd an eigene Superkräfte glaubende Hauptfigur ist aus «Toy Story» bekannt. Ein Trio von Tieren, dass sich den Weg nach Hause sucht, kam in den 60er-Jahren schon im Disney-Film «The Incredible Journey» vor, der in den 90er-Jahren die Remakes «Homeward Bound» und «Homeward Bound II: Lost in San Francisco» nach sich zog. Nein, besonders einfallsreich waren die Drehbuchautoren von «Bolt» also ganz bestimmt nicht. Wozu auch etwas Neues erfinden, wenn die Erfolgsrezepte sozusagen schon vom eigenen Studio patentiert sind.
Nicht nur für Handlung, auch die für die einzelnen Szenen bedienten sich die Drehbuchautoren häufig bei altgedienten Mustern. Die Tauben in New York werden von Mittens in der Art eines Mafia-Paten ausgebeutet (natürlich zu passender Musik), in Hollywood treten die Tauben hingegen als zickige Drehbuchautoren mit klaren Hierarchiestufen auf. Handelt es sich hier um Selbstironie oder doch nur um platte Parodie?
Auf jeden Fall ist der Humor zwischendurch nur leidlich amüsant. Das liegt sicher auch daran, dass sich die Gespräche zwischen Bolt und Mittens eben allzu häufig wie die Auseinandersetzungen zwischen Woody und Buzz Lightyear anhören. Zudem werden manche Pointen bis zur Erschöpfung ausgedehnt. Besonders der Agent mit seinem «Let’s put a pin in that» geht schnell einmal auf die Nerven. Die funktionierenden Gags – davon hat es durchaus auch einige – beruhen meist auf visuelle Spielereien.
Keine Vorwürfe müssen sich hingegen die ausführenden Animatoren machen. Die Umsetzung ist bis ins letzte Detail erstklassig. Vor allem die Figuren, aber auch die Hintergründe sind vorzüglich gestaltet. In einem Beitrag auf der Blu-ray-Disc wird dann auch ausdrücklich auf die Gestaltung des Films eingegangen. Für die Kulissen und Landschaftsbilder haben sich die Animatoren bei Malern inspiriren lassen. Kein Wunder fällt das Licht in jeder Gegend unerschiedlich auf die Gebäude.
Bezüglich Figuren übertreffen die digitalen Tiere die animierten Menschen um einiges an Ausdrucksstärke. Die vielen temporeichen Szenen müssen den Vergleich mit Actionszenen in Realfilmen nicht scheuen (womöglich nicht nur, weil «Realfilme» immer digitaler werden). Bei den rasanten Verfolgungen sprühen die Funken und die Explosionen glänzen und schimmern in wunderbarsten Farbtönen. «Bolt» ist also eine nicht besonders einfallsreiche, aber durchaus muntere und amüsante Tierreise.
Der Eindruck der exzellenten Umsetzung wird durch die vorzügliche Bildqualität der Blu-ray-Disc verstärkt. Als Bonusmaterial sind etliche kurze Beiträge enthalten: Die Regisseure werden vorgestellt, Miley Cyrus und John Travolta bei der Aufnahme und beim Singen eines Lieds gezeigt, und zusätzliche Szenen lassen die Gestaltung der Geschichte erkennen. Amüsant ist ein Beitrag über die Sprecher, besonders als Mark Walton erfährt, dass seine Stimme für den Film verwendet wird. Er war eigentlich nur als Sprecher für die temporäre Tonspur vorgesehen gewesen.
Eine Hauptrolle erhält der von Walton gesprochene Hamster Rhino im Kurzfilm «Super Rhino», in dem er ganz in seinem Element gegen den Bösewicht Dr. Calico antreten darf. Auch nicht gerade sehr subtil, aber dem Hauptfilm entsprechend. Dieses Bonusmaterial ist auch auf der DVD enthalten, die der Blu-ray-Disc beigelegt ist. Auf der Blu-ray-Disc ist zudem noch ein Spiel abrufbar, das allerdings alleine schon von der Erklärung der Bedienung her so kompliziert ausgesehen hat, dass ich mich nicht daran gewagt habe.
Bewertung:
Bildqualität (Blu-ray):
Tonqualität (Blu-ray):
Bonusmaterial (Blu-ray):
(Bilder: ©Walt Disney Studios Home Entertainment)