Der Internationale Wettbewerb ist das Kernstück des Animationsfilmfestivals Fantoche. Doch an der 7. Ausgabe messen sich erstmals auch Schweizer Trickkünstler in einem Wettbewerb. Weil Fantoche momentan noch vom Zweijahres- auf den Einjahresrhythmus wechselt, sind einige der Beiträge schon relativ alt. So feierte «Die Seilbahn» von Claudius Gentinetta bereits im Januar 2008 an den Solothurner Filmtagen die Weltpremiere und wurde als Vorfilm von «Happy New Year» schon in den Kinos gezeigt. «Flowerpots» von Rafael Sommerhalder habe ich ebenfalls bereits vorgestellt. Dennoch habe ich auch ein paar neue Werke bewundern können.
Fantoche ist mit Filmen und Gästen aus aller Welt international ausgerichtet. Doch das einheimische Filmschaffen wird deshalb keinesfalls vernachlässigt. Schweizer Werke hatten bereits früher ihren festen Platz, dieses Jahr treten sie nun erstmals in einem eigenen Wettbewerb gegeneinander an. Das Festival will dem Schweizer Animationsfilmschaffen durch diese Neuerung einen prominenteren Platz geben. «Ausserdem denken wir, dass die Bewertung durch eine internationale Jury für den Schweizer Animationsfilm bereichernd sein kann», erklärt Duscha Kistler, die künstlerische Leiterin des Festivals.
Aus Block 1 möchte ich die Bruce-Lee-Hommage «Le petit dragon» hervorheben. Regisseur Bruno Collet verwendet Stop-Motion und Computeranimation, um eine kleine Spielfigur von Bruce Lee neues Leben einzuhauchen. Dank eingebauten Sprachmodul kann das schmächtige Männchen in seinem gelben Anzug auch wunderbare Kung-Fu-Schreie ausstossen. Die sind auch nötig, denn nach einer kurzen Erkundungstour durch das Zimmer steht ein bedrohlicher Roboter vor ihm.
Der besondere Witz an der Geschichte: da die Figur 1973 hergestellt wurde, ist sie schon ein wenig spröde. Aber auch wenn sein Körper nicht mehr aus dem frischesten Material ist, so erweist sich zumindest der Geist von Bruce Lee unbezwingbar. Idee und Inszenierung dieser französisch-schweizerischen Produktion sind gleichermassen perfekt. Mit viel Schalk, aber auch ausreichend Respekt wird eine Legende wieder zum Leben erweckt. Der Trailer dazu:
Obschon einige Filme schon bald zwei Jahre alt sind, enthalten die Programme auch ein paar ganz neue Filme, zum Beispiel «Amourette» von Maja Gehrig oder «Land of the Heads» von Claude Barras und Cédric Louis (beide im Block 2). Nächstes Jahr wird dann die Auswahl an neuen Filmen nicht mehr so umfangreich sein. Kistler geht daher für Fantoche 2010 von nur noch einem Schweizer Wettbewerbsprogramm aus: «Ich lasse mich jedoch gerne von vielen tollen Filmen überraschen, sodass wir doch zwei Programme zeigen könnten.» Das Potenzial dafür ist vorhanden.
Weitere Vorführungen im Kino Trafo 5: Schweizer Wettbewerb 1: Fr 20.30 Uhr, So 12.15 Uhr. Schweizer Wettbewerb 2: heute 20.30 Uhr, Sa 20.30 Uhr, So 14 Uhr