Fantoche 09: Schlussbilanz und Aussichten

«Lucia» von Cristobal Leon, Joaquin Cociña, Niles Atallah

In diesen Minuten werden in Baden die Gewinner von Fantoche verkündet. Etwas kann ich schon einmal vorwegnehmen: meine beiden Favoriten im Internationalen Wettbewerb haben sich in keiner Kategorie durchgesetzt. War die Jury eigentlich blind?! Nein, keineswegs. Ihre Entscheidungen sind durchaus vertretbar. Dafür hat die Jury des Schweizer Wettbewerbs den Hauptpreis auf zwei Filme aufgeteilt, die ich schon ausführlich lobend vorgestellt habe. Da stellt sich wiederum die Frage, wieso diese Jury einen derart durchschnittlichen Geschmack hat…

Hier also die Gewinner der Wettbewerbe:

Internationaler Wettbewerb
Best Film (7000 CHF): «Lucia» von Cristobal Leon, Joaquin Cociña, Niles Atallah
High Risk (5000 CHF): «Ezurbeltzak, una fosa común» von Izibene Oñederra und «Please Say Something» von David OReilly
New Talent (3500 CHF): «Noteboek» von Evelien Lohbeck
Best Sound (2000 CHF): «Drux  Flux» von Theodore Ushev
Best Visual (2000 CHF): «Madame Tutli-Putli» von Chris Lavis und Maciek Szczerbowski
Best Story (2000 CHF): «Chainsaw» von Dennis Tupicoff
NAB-Publikumspreis (5000 CHF): «Muto» von Blu

Schweizer Wettbewerb
Best Swiss (7000 CHF): «Flowerpots» von Rafael Sommerhalder und «Retouches» von Georges Schwizgebel
Spezielle Erwähnung: «Flimmern» von Alex Stoop und «Amourette» von Maja Gehrig
Publikumspreis (2000 CHF): «Signalis» von Adrian Flückiger

Neue Filme für Kinder
Best Kids (1000 CHF): «The Incredible Story of My Great Grandmother Olive» von Alberto Rodriguez
Kinderpublikumspreis (1000 CHF): «The Incredible Story of My Great Grandmother Olive» von Alberto Rodriguez

Gestern habe ich an der von der Sektion Film des Bundesamts für Kultur organisierten Podiumsdiskussion «Digitales Neuland» erfahren, dass die Schweizer Trickfilmgruppe für nächstes Jahr eine neue Preisverleihung plant. Ihr Präsident Zoltán Horváth stellte am Podium die Verleihung der «Swiss Animation Awards» an der nächsten Durchführung von Fantoche in Aussicht. Wie er mir gegenüber präzisierte, sei die Finanzierung zwar noch nicht vollständig gesichert, aber auf gutem Weg. An der Zeremonie sollen nicht nur künstlerische Leistungen, sondern gerade auch technische Aspekte und kommerzielle Produktionen gewürdigt werden.

Fragen zur Zukunft stellt sich auch die Festivalleitung von Fantoche. Die künstlerische Leiterin Duscha Kistler kann am Ende des Festivals leicht erschöpft, aber immer noch fröhlich lachend feststellen: «Im Moment bin ich wunschlos glücklich.» Extrem wichtig sei für sie einfach, dass die gleichen Lokalitäten wieder genutzt werden können. Zudem ist sie auf Ideen fürs Programm und die Einsendung von spannenden Beiträgen angewiesen.

Volle Säle, zufriedene Besucher und eine gute Stimmung. Kein Wunder freut sich Kistler: «Es macht richtig Spass.» Zum Abschluss durfte sie auch noch einen neuen Besucherrekord vermelden. Mehr als 31’000 Eintritte konnten in den vergangenen sechs Tagen in den Kinos in Baden und Wettingen gezählt werden – eine Steigerung um beinahe 25 Prozent gegenüber der Austragung vor zwei Jahren. Bereits die Morgenvorstellungen seien sehr gut ausgelastet gewesen, die Abendvorstellungen grösstenteils ausverkauft.

Angesprochen auf die Umstellung auf den neuen Rhythmus mit einer Austragung in jedem Jahr zeigt sich Kistler optimistisch, da sich die Festivalleitung schon eine Weile darauf vorbereiten konnte. Das kommende Jahr sei entscheidend: «Bezüglich Manpower und Finanzierung wird das jetzt wirklich eine Herausforderung sein. Ich habe das Gefühl, dass nachher ein wenig Ruhe in den Ablauf einkehren wird.» Und Kistler ist gespannt, ob das Festival auch bei häufigerer Durchführung die gleiche Anziehungskraft auf das Publikum ausüben wird.

Der Erfolg in diesem Jahr stimmt auf jeden Fall zuversichtlich, dass Fantoche auch in Zukunft eine gewichtige Rolle in der nationalen und internationalen Festivallandschaft spielen wird. Wer einen zusätzlichen Beitrag für den andauernden Erfolg von Fantoche leisten möchte, kann Mitglied des Fördervereins werden und dadurch auch die finanzielle Unabhängigkeit des Festivals fördern.

Leave a comment