NIFFF 10: «Metropia» von Tarik Saleh

«Metropia»

You can’t stop your thoughts.

Das Partnerfestival des Neuchâtel International Fantastic Film Festival ist Fantoche in Baden. Wie schon in den letzten Jahren («Paprika», «Mary and Max») hat das Festival für Animationsfilm auch 2010 einen Film im Open-Air-Kino am NIFFF vorstellen dürfen. Die Wahl fiel auf den dystopischen Thriller «Metropia», dessen Regisseur Tarik Saleh letzten September in Baden von der Entstehung des Films berichtet hatte. Bemerkenswert an «Metropia» ist in erster Linie die ausgefallene, aber auch leicht ermüdende Ästhetik. Die Handlung ist hingegen so dünn, dass sie eigentlich nur für einen Kurzfilm ausgereicht hätte.

Für die Zusammenfassung der Geschichte stehe ich vor dem gleichen Problem wie der Filmemacher, der sich überlegen musste, wie er die einfache Handlung auf eine ausreichende Zeitdauer für einen abendfüllenden Spielfilm strecken kann. Saleh, der zusammen mit Fredrik Edin und Stig Larsson das Drehbuch geschrieben hat, entschied sich dazu, seine Figuren ziemlich lethargisch durch die Szenen zu bewegen, diverse Elemente regelmässig zu wiederholen und Dialoge zu verwenden, die wie banale Versatzstücke aus anderen Filmen klingen. Diese Art der Inszenierung soll vermutlich für eine bedrückende Stimmung sorgen, langweilt mit der Zeit aber vor allem.

Angesiedelt ist der Film im Jahr 2024. Die Ressourcen sind völlig aufgebraucht. Ganz Europa ist durch ein Netz von Untergrundbahnen verknüpft. Der leicht paranoide Roger (Stimme von Vincent Gallo) vermeidet dieses Transportmittel und benutzt stattdessen ein Fahrrad. Und er hört eine Stimme in seinem Kopf. Eines Tages ist sein Fahrrad unbrauchbar und er besteigt notgedrungen trotzdem die Metro. Dort trifft er auf die geheimnisvolle Nina (Juliette Lewis), die er aus der Werbung für das Haarwaschmittel «Dangst» gegen Schuppen kennt. Sie scheint zu wissen, dass er eine Stimme hört. Nun möchte er endlich erfahren, wem die Stimme in seinem Kopf gehört.

«Metropia»

Die zentralen Bestandteile der Zukunft in «Metropia» sind das riesige Netz an Untergrundbahnen und die Stimmen im Kopf. Die Auswirkungen des Verkehrsmittels auf die Gesellschaft werden nicht wirklich näher erklärt. Es dient wohl einfach dazu, dass Roger auf seiner Suche nach der Stimme in seinem Kopf quer durch Europa reisen kann. Aber auch die Funktion der Stimmen im Kopf, durch die eine totale Überwachung und Kontrolle der Bevölkerung möglich ist, wird nicht wirklich genauer erläutert. Entweder wird sie einfach verwendet, damit die Menschen die Produkte des riesigen Unternehmens verwenden, das sowohl die Metro betreibt als auch das Haarwaschmittel herstellt, oder dann dient es lediglich als perverse Belustigung für den Firmenbesitzer Ivan Bahn (Udo Kier).

Wie wenig durchdacht die Geschichte wirklich ist, zeigt sich auch daran, dass zwar ein weitreichender Eingriff in die Privatsphäre suggeriert wird, der verwendete Mechanismus aber dazu gar nicht geeignet ist. Jede Person, die sich mit «Dangst» die Haare wäscht, kann manipuliert werden und wird von einer ihr zugewiesenen Person fremdgesteuert. Wenn aber fast die gesamte Bevölkerung von Europa oder auch nur ein Bruchteil davon von einer zentralen Stelle überwacht wird, würde diese Aufgabe die Kapazität jedes Unternehmens sprengen. Das würde letztlich darauf hinauslaufen, dass eine Hälfte der Bevölkerung die andere Hälfte überwacht und steuert. Die aufgeworfenen Grundgedanken in «Metropia» sind zwar durchaus betrachtenswert. Die Filmemacher haben sie in ihrer Ausführung aber nicht wirklich konsequent und überzeugend ausformuliert.

Beiben noch einige Bemerkungen zu den formalen Aspekten. Die verfremdete Gestaltung der Figuren und ihrer Bewegungen ist eindrücklich, aber ebenfalls eher gewöhnungsbedürftig. Grosse eindringliche Augen dominieren die Gesichter, schlaksig bewegen sich die Figuren durch die düsteren, grauen Kulissen. Ziemlich anstrengend hat an der Vorführung am NIFFF auch die Tonspur gewirkt. Das lag wohl einerseits daran, dass einige Schauspieler ihre Texte ziemlich monoton und undeutlich sprechen, und dass andererseits die Dialoge teilweise durch andere Geräusche oder die Musik überdeckt werden.

Bewertung: 3 Sterne

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